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08.08.2016 - Schaumburger Zeitung / Claudia Masthoff Übersicht | Drucken

"Machen Sie sich bemerkbar!"

Weißer Ring feiert 40-jähriges Bestehen: Schaumburger Helfer geben Tipps für Notsituationen und danach

Schaumburger Zeitung / 8.8.2016

Rinteln

Von Claudia Masthoff
Der Weiße Ring hilft nicht nur im Nachhinein Opfern von Verbrechen, er macht sich auch stark dafür, dass Menschen erst gar nicht zu Opfern werden. Aufklärung und Prophylaxe heißt die Zauberformel. Die vom Verein problematisierten Situationen sind brandaktuell. So hatten die Schaumburger Aktiven des Weißen Rings am Samstag Informationsmaterial zu den Themen Cybermobbing, K.-o.-Tropfen und Zivilcourage an Bord. Der Begriff „an Bord“ konnte durchaus wörtlich genommen werden. Denn zum 40. Geburtstag ihrer Mutterorganisation hatten die regionalen Mitstreiter eine besondere Idee: Öffentlichkeitsarbeit von der Weser aus. Beach-Bar und Doktorsee hießen die Ziele. Und weil man an einem Geburtstag ja nicht nur arbeiten, sondern auch feiern sollte, gab es am „Strand“ unter Palmen auch Cocktails und Geburtstagsgäste.



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Schaumburger Zeitung / Claudia Masthoff -

Im Gespräch mit Thomas Weishaupt dem Vorsitzenden der Schaumburger Abteilung, wurde deutlich: Flyer sind gut und nützlich, aber mit jemandem zu sprechen, der wie Weishaupt mit der Materie vertraut ist, das wirkt doch stärker. Wenn er sich über Zivilcourage auslässt, dann werden die beschriebenen Szenen richtig lebendig. „Sie sollen sich, wenn Sie auf eine körperliche Auseinandersetzung zukommen, ja nicht ins Kampfgetümmel stürzen“, erläuterte er. „Aber machen Sie sich bemerkbar! Rufen Sie dem Opfer zu ´He, Sie! Ich hole Hilfe!´ und warnen sie den Angreifer ´Sie da, in der roten Jacke, ich rufe jetzt die Polizei´ ich habe Sie im Blick!“

Genauso temperamentvoll wird Weishaupt, wenn er auf Fallstricke für junge Leute im Internet zu sprechen kommt. „Sie sind 13 und verliebt. Da werden dann Fotos an den Freund geschickt, die wirklich nicht für alle Augen bestimmt sind“, weiß der Experte. „Doch liegt es in der Natur der Sache, dass Beziehungen in diesen jungen Jahren am Ende doch nicht so lange halten. Und dann müssen die jungen Leute, meist sind es Mädchen, feststellen, dass manche alte große Liebe gehässig oder prahlerisch die ganz privaten Bilder weitergibt.“ Mit Besuchen in den Schulen bemüht sich der Weiße Ring, bei den Jugendlichen ein Bewusstsein für solche Gefahren zu wecken und sie zum vorsichtigen Umgang mit Fotos anzuregen.

Beim dritten Thema, das Weishaupt an diesem Tag im Gepäck hat, handelt es sich um eine perfide Methode, um Menschen hilflos zu machen: die heimliche Beigabe von K.-o.-Tropfen in ein Getränk. Unter Einfluss von K.-o.-Tropfen, die man in einem Getränk weder sieht noch schmeckt, verliere man die Kontrolle über sich selbst. „Sie bekommen dann noch mit, was ihnen geschieht, können sich aber nicht mehr wehren. Nicht einmal um Hilfe rufen“, erklärt der Fachmann. So müsse man heute dazu raten, bei geselligen Veranstaltungen das eigene Glas oder die eigene Flasche nicht aus der Hand zu geben. Eine tolle Idee in diesem Zusammenhang: Es gibt – und in der Bodega-Bar werden sie genutzt – Bierdeckel mit entsprechenden Verhaltensempfehlungen.

„Und wenn es Sie doch erwischt hat, und jemand hat Sie in diese schrecklich hilflose Situation gebracht, dann gilt: Sofort nach dem ´Wachwerden´ zur Polizei gehen. Denn die chemischen Substanzen lassen sich nur sehr kurze Zeit in Blut und Speichel nachweisen.“ Die Polizei veranlasst dann eine entsprechende ärztliche Untersuchung.

Außerdem möchte Weishaupt nach einem verbreiteten Irrtum aus der Welt räumen: „ Wir helfen auch, wenn keine Anzeige erstattet wird. Manchmal brauchen die Menschen auch erst einmal Zeit. Es gibt Möglichkeiten, Fotos, Diagnosen und so weiter sichern zu lassen, ohne gleich die Polizei einzuschalten. Die Organisation ´Pro-Beweis´ bietet an, anonym Beweise aufzubewahren. Dann sind die Betroffenen, was die Beweislast angeht, auf der sicheren Seite, und können sich in Ruhe entscheiden, ob sie es zu einer polizeilichen Ermittlung kommen lassen wollen.“ Für Hilfe bei diesen Entscheidungsprozessen steht der Weiße Ring zur Verfügung.

Ratsuchende könnten sich beim Opfertelefon unter der Nummer 116 006 täglich von 7 bis 22 Uhr Unterstützung holen.

Foto: cm
Erfrischungspause in der Beach-Bar. Bodega-Betreiber Arif Sanal (r.) empfängt Thomas Weishaupt (l.) vom Weißen Ring und die übrigen Helfer und Gäste mit einem Cocktail.


Walter Klemme, 09.08.2016, 13:20 Uhr
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