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09.08.2017, 11:28 Uhr | Cord-Heinrich Möhle / Schaumburger Zeitung Übersicht | Drucken
"Wir brauchen Sie dringend"
Finanzminister Schneider hält Festrede bei Vereidigung von 480 Nachwuchskräften der Steuerverwaltung

Schaumburger Zeitung / 9.8.2017

Bad Eilsen

Von Cord-Heinrich Möhle
„Steuerverwaltung ist Eingriffsverwaltung. Nicht immer sind die Bürgerinnen und Bürger mit unseren Entscheidungen einverstanden. Manchmal, wenn sie Geld bekommen, sind wir ihnen zu langsam. Wir sind schlicht zu schnell, so beklagen sie, wenn wir finanzielle Forderungen an sie haben, und in Extremfällen fühlen sie sich von uns auch gepiesackt und schikaniert“. Dieses erklärte Finanzminister Peter-Jürgen Schneider während einer Feierstunde im Palais im Park, in der er 480 jungen Frauen und Männern, die zu Beginn des Monats ihre Ausbildung bzw. ihr Studium in der Niedersächsischen Steuerakademie mit den Standorten in Bad Eilsen und Rinteln aufgenommen haben, den Diensteid abnahm.



Diese Ausbildung sei eine Investition in die Zukunft, erklärte der Minister weiter, und die Steuerakademie sei als praxisorientierte Bildungseinrichtung anerkannt und etabliert. Um die Aus- und Fortbildung zu bündeln und zu modernisieren, habe das Land in den vergangenen zehn Jahren über 20 Millionen Euro in die beiden Standorte investiert und zuletzt die Ausbildungskapazitäten deutlich ausgebaut.

„Wir brauchen Sie dringend und daher freue ich mich, dass Sie sich für die Steuerverwaltung entschieden haben“, hieß der Minister die 218 jungen Frauen und Männer für den gehobenen und die 262 für den mittleren Dienst herzlich willkommen. Nachdem bereits im vergangenen Jahr mit 447 Nachwuchskräften eine Rekordzahl an Anwärterinnen und Anwärter eingestellt worden waren, ist diese Zahl mit dem aktuellen Einstellungsjahrgang nochmals übertroffen worden.

Insgesamt, so Peter-Jürgen Schneider, habe die im Jahr 2013 durch die Landesregierung gestartete Einstellungsoffensive zu einer Verdopplung der Anwärterzahlen geführt. Und die jungen Leute würden in der Finanzverwaltung mehr als dringend benötigt, denn bis zum Jahre 2014 gingen fast 40 Prozent der rund 4 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der niedersächsischen Steuerverwaltung in Pension oder Rente. Dieses bezeichnete er als eine enorme Personalfluktuation, die viele unterschiedliche Herausforderungen nach sich ziehe.

Minister Schneider zeigte im Palais im Park davon überzeugt, dass die Steuerverwaltung trotz der demokratischen Entwicklung im Wettbewerb um Personal und Nachwuchskräfte mit privaten Arbeitgebern mithalten und bestehen werde. So biete die Steuerverwaltung gute und sichere Arbeitsplätze sowie interessante und herausfordernde Arbeitsbereiche. Auch werde durch die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten sowie Teilzeit oder Homeoffice die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nachhaltig unterstützt. Dass die Steuerverwaltung ein attraktiver Arbeitgeber auch aus der Sicht der jungen Menschen sei, zeige die Tatsache, dass sich 4800 Interessenten um eine Ausbildung bzw. Studium beworben hätten. Schneider: „Diese große Zahl der Bewerbungen erfüllt uns durchaus mit Stolz“.

In seiner Festrede gab der Minister den Anwärterinnen und Anwärtern auch einen Ratschlag für ihren beruflichen Werdegang mit auf den Weg. Sie sollten sich als Vertreter des Staates nicht von Sympathie oder Antipathie leiten lassen, sondern stets bemüht sein, ihre Entscheidungen aus dem Gesetz abzuleiten. Und sie sollten dabei besonnen, verständnisvoll und pragmatisch agieren und ihre Entscheidungen dem Bürger möglichst verständlich erklären. Leitender Regierungsdirektor Karsten Pilz, Leiter der Steuerakademie, freute sich in seiner Begrüßung der vielen Ehrengäste, erstmals auch den heimischen Europaabgeordneten Burkhard Balz, finanzpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, willkommen heißen zu dürfen.

An die jungen Frauen und Männer gerichtet erklärte er, sie hätten in ihrem zukünftigen Beruf eine wichtige Aufgabe zu erledigen, die, so schränkte er ein, nicht immer populär sei. Ziel der Akademie sei es nun, ihnen das Steuerrecht nahe zu bringen. Karsten Pilz: „Wir freuen uns auf Sie.

Bürgermeisterin Christel Bergmann und Dr. Joachim Steinbeck, allgemeiner Vertreter des Rintelner Bürgermeisters Thomas Priemer, hießen in ihren Grußworten die jungen Leute im Kurort und in der Weserstadt herzlich willkommen. Während Christel Bergmann den Kurpark als Ort anpries, „in dem man auch einfach mal die Seele baumeln lassen könne“, hob Dr. Steinbeck den hohen Freizeitwert „seiner“ lebendigen Stadt hervor.

Die Feierstunde, an der sich ein kleiner Sektempfang im Kurpark anschloss, wurde musikalisch umrahmt von der, so Karsten Pilz, „kleinen, aber feinen“ Akademieband mit der Sängerin Ines Plettenberg (Finanzamt Westerstede) und dem Pianisten Sebastian Kokot, Dozent in der Steuerakademie.

Foto: möh
Stehend legen die jungen Frauen und Männer im Rahmen der kleinen Feierstunde im Palais im Park den Diensteid ab – Gäste sind unter anderem der Europaabgeordnete Burkhard Balz und der CDU Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer



aktualisiert von Walter Klemme, 09.08.2017, 11:36 Uhr


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