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 Otto Deppmeyer
 











Presse
28.04.2015, 17:21 Uhr Übersicht | Drucken
Eine Annäherung an Martin Luther
Superintendent Christian Castel sieht religiöse Bildung als Voraussetzung für Dialog


 Coppenbrügge. Sie wollten nicht auf das Jubiläumsjahr warten: Anstatt 2017 mit einer Vielzahl von Veranstaltungen zur Feier von 500 Jahren Reformation um Termine und Redner wetteifern zu müssen, hat der Kreisverband Hameln-Pyrmont des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU das Thema schon jetzt aufgegriffen. Im evangelischen Familienzentrum (evfa) Coppenbrügge sprach Superintendent Christian Castel auf Einladung des Arbeitskreises unter dem Titel: „Monumental und befremdlich: Annäherung an Martin Luther.“

Originalansicht

Superintendent Christian Castel



 

Der Mensch Martin Luther und sein Wirken seien vielschichtig, teilweise widersprüchlich, erklärte Castel. Wer das Jubiläum begehen wolle, müsse sich erst einmal darüber klar werden, was genau eigentlich der Anlass für die Festlichkeiten sein sollte: „Luther hat viele Gesichter. Welches wollen wir feiern?“ Der Superintendent bezeichnete Luther als facettenreiche historische Figur, als „Kind seiner Zeit“. Die Überzeugung, dass der Mensch Gerechtigkeit allein durch Gottes Gnade erfahre und nicht durch gute Taten erkaufe, dass er den Glauben ohne Vermittlung der Kirche aus der Bibel herleiten könne, sei für den oft von inneren Konflikten gequälten Luther wie eine Erleuchtung gewesen. Seine Überzeugungen hätten aber auch zwangsläufig zum Streit mit der Kirche geführt, die aus ihrer Mittlerposition zwischen Gott und Menschen große Macht zog.

Die umstrittene Haltung des Reformators gegenüber sozialen und politischen Umbrüchen habe von seiner grundsätzlichen Unterscheidung zwischen dem göttlichen und dem weltlichen Reich hergerührt. In den wesentlichen Punkten seiner Glaubensauffassung sei Luther kompromisslos gewesen. Er sei zudem „in der Wortwahl oft über das Ziel hinausgeschossen“. „Man kann nicht erwarten, dass 500 Jahre alte Schriften noch in vollem Umfang heute anwendbar sind“, gab der Superintendent zu bedenken.

In der folgenden Diskussion fragten Zuhörer nach der Zukunft der Ökumene und dem Verhältnis zum Islam. Der Einfluss des Islam, so Castel, werde in Deutschland schon aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmen. Für alle jungen Menschen, egal, welchen Glaubens, sei religiöse Bildung, sei schulischer Religionsunterricht überaus wichtig, um in einen vernünftigen Dialog treten zu können. „Dafür muss ich doch erst einmal wissen, wo ich stehe, und was ich glaube.“

Die Ökumene sei auf der Ebene der Gemeinden schon weit fortgeschritten. Gläubige sollten aber die Unterschiede zwischen den Konfessionen wenigstens kennen. Wichtig sei, das Verbindende und nicht das Trennende zu betonen. Das Jubiläumsjahr werde, wo immer möglich, gemeinsam mit der katholischen Kirche gefeiert: „Das Reformationsjubiläum darf nicht dazu führen, den Konflikten vergangener Jahrhunderte neues Leben einzuhauchen.“ Auf die Frage, ob junge Menschen angesichts kriegerischer Auseinandersetzungen und Unsicherheiten in der Welt Halt im Glauben suchten, erklärte Castel: „Ich wünschte, es wäre so.“ Die Kirche habe in einer pluralen Gesellschaft jedoch weniger Einfluss als früher.

Äußerungen auch über komplexe Themen müssten heute „medienkompatibel“ vorgebracht werden, um Gehör zu finden. Jugendliche wichen vielfach auf „Ersatzreligionen“ aus, sei es ihr Lieblings-Fußballclub oder eine Fantasy-Welt.

Auf Nachfrage der EAK-Kreisvorsitzenden Doris Palandt bestätigte Castel, dass der Reformationstag im Jahr 2017 auch in Niedersachsen ein gesetzlicher Feiertag sein werde. Das bleibe aber eine Ausnahme. Den Feiertag dauerhaft zu etablieren, sei nicht gelungen. Hier wären die Erfolgsaussichten für einen gemeinsamen Feiertag beider Kirchen wahrscheinlich größer gewesen.


 


28.04.2015, 17:24 Uhr

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